Streiken bis zum Blut
Streik ist derzeit in aller Munde, doch was hat das Thema BVG Streik in diesem Blog verloren? Nun um “diesen” Streik geht es überhaupt nicht, aber um einen BVG Streik vor 75 Jahren und um Walter Ulbricht.
Bereits in den Jahren 1974 und 1980 wurde Westberlin durch BVG Streiks lahmgelegt, auch im Mai 1992 fuhren tagelang kaum Busse und Bahnen. Doch vor 75 Jahren gab es bei einem BVG-Streik sogar Tote.
Im November 1932, (der rote Freitag), starben durch Schüsse der Polizei drei streikende BVGer und eine nicht beteiligte Frau. Viele Angestellte der BVG, die sich nicht an dem damals illegalen Streik beteiligten, wurden übelst zusammengeschlagen. Weit über die helfte der zum Notdienst eingesetzten Straßenbahnen wurden demoliert.
Die Drahtzieher hinter diesen Gewaltausschreitungen waren der damalige Berliner Gauleiter der NSDAP, Josef Goebbels, und… man glaube es kaum, der Chef der Berliner KPD, Walter Ulbricht.
Obwohl sich zu dieser Zeit, die NSDAP und die KPD Anhänger bei jeder Gelegenheit die Köpfe einschlugen, arbeiteten Nazis und Kommunisten bei dieser Aktion zusammen: Beide Seiten wollten mit der Unterstützung dieses brutalen Streiks, Punkte bei Berlins Arbeitern sammeln. Schließlich waren es nur wenige Tage bis zur Reichstagswahl.
In der Sache ging es um fast nichts: Die Gewerkschaft hatte die drohende Stundenlohnkürzung für Schaffner und Fahrer schon von 23 auf nur 2 Pfennig runtergehandelt. Deshalb stimmte bei der Urabstimmung auch eine Mehrheit der BVGer gegen Streik. Zu spät: NSDAP und KPD wollten Chaos und mobilisierten ihre aufgepeitschten Schlägertrupps. Historiker schätzen heute, dass der “rote Freitag” mit einer der entscheidenden Schritte zum Scheitern des politischen Systems der Weimarer Republik (1918-1933) war.
Quelle: Berliner Kurier 10/03/08
Hätte man zu DDR Zeiten diese historisch belegte Wahrheit veröffentlicht, dann wäre man wohl auf nimmer wiedersehen im Stasi Knast verschwunden. Eine westliche Veröffentlichung wäre zu DDR Zeiten nur eine böswillige Propagandalüge gewesen. Das Verschweigen und Verdrehen von unbequemen Wahrheiten ist aber ausnahmsweise mal keine DDR Erfindung, das ist wohl eine Erfindung die es schon seit vielen tausend Jahren gibt.
Kategorie: So war das

Das ist ein sehr interessanter Beitrag. Sowas hatte ich auch noch nicht gehört.
Aber auch ich habe in der DDR ‘mal einen wilden Streik angezettelt und wurde dafür sogar belobigt.
Ich arbeitete ab 1980 im Kraftwerk Jänschwalde in Peitz (bei Cottbus). Da wurde damals das zum Schluß größte Braunkohlenkraftwerk der DDR mit 3000 MW gebaut. Sechs 500MW-Blöcke sowjetischer Bauart. Da das noch im Bau befindliche Werk 1 mit 1000 MW noch nicht soviel Arbeitskräfte brauchte, aber im KW Boxberg (bei Weißwasser/NL) an baugleichen Blöcken Not am Mann war, delegierte man 7 Mann zur “sozialistischen Hilfe” dorthin.
Man freute sich dort über die zusätzlichen Arbeitskräfte, hatte es aber nicht nötig uns vernünftige Garderobenräume zu geben. Dünne Holzbaracken aus Baustellenzeiten, die schon ewig nicht genutzt wurden. Ohne Heizung und Beleuchtung, total verdreckt und das im Winter bei Minustemparaturen!! Nachdem ich mehrmals bei den Vorgesetzten darauf hingewiesen hatte und sich nichts änderte, wiegelte ich eines Morgens meine Kollegen auf, es mit Streik zu versuchen. Zwei Mann waren zu feige, aber die anderen 4 gingen mit mir in sauberen Sachen in die Werkstatt. Dort sagte ich dem Meister, sobald wir zumutbare Garderoben hätten, würden wir an die Arbeit gehen. Nach einiger Zeit mußte ich zum Bereichsleiter (Zweithöchster Chef im Werk) und schilderte ihm die Situation, ohne Kommentar schickte man uns in Warteposition und eine halbe Stunde später hatten wir plötzlich eine saubere, helle und warme Garderobe. der Meister machte mich daraufhin zum Sprecher unserer Gruppe und bot mir sogar Arbeit in seiner Brigade und Wohnung in Weißwasser an.
Auch sowas ging in der DDR. Nur eben sachlich mußte man bleiben. Mit wüsten Beschimpfungen hätte ich wohl nichts erreicht.
In Jänschwalde sollten eigentlich 4000 MW gebaut werden, aber nachdem 3 fertig waren, hatte man schon viele Teile in den schon betriebenen Blöcken eingebaut. -Denn das war nun mal so, Ersatzteile und Material waren im Sozialismus wirklich sehr, sehr rar!! Einmal hat man an Anlagen mit aggressivem Wasser die rostfreien Stehbolzen (Stiftschrauben) aus Mangel einfach mit billigen rostenden Schrauben ersetzt, und das alle 14 Tage, bis es dann mal wieder rostfreie gab!!