Die Polytechnische Oberschule (POS) war der grundlegende Schultyp in der DDR. Eingeschult wurde man mit 6 oder 7 Jahren, hiefür war der 31 Mai der Stichtag. Die POS besuchte man in der Regel von der 1. bis zur 10. Klasse.

Privatschulen gab es zur DDR Zeit nicht. Weitere Schultypen waren Sonderschulen für Geistig oder körperlich Behinderte.

Die erweiterte Oberschule (EOS) mit deren Abschluss man das Abitur machen konnte.

Zu guter Letzt gab es noch eine Handvoll Spezialschulen in denen die sozialistischen Kader für Sport und Kultur herangezogen wurden.

Soviel zur Theorie, wie war aber die Realität im Schulalltag?

Knallhart Sozialistisch? Oder locker wie Heutzutage?

Denke ich an meine Schulzeit in einer Berliner POS bis Mitte der 70ger Jahre, so fand ich es aus heutiger Sicht relativ locker. Aber Achtung, meine Schulzeit ist mit Sicherheit kein repräsentatives Beispiel für den Schulalltag in der DDR. Andere Leute werden auch andere Erfahrungen gemacht haben.

Meine Flegeljahre in den Siebzigern war die Zeit der langen Haare, der Schlaghosen und Flickenjeans und der lauten Kassettenrekorder in der Hand. Das spiegelte sich natürlich auch im Schulalltag wieder. Ich kenne aus meiner Schulzeit keine Repressalien wegen der Kleidung oder wegen langer Haare. Selbst die westliche Plastik Werbetüte als Schultasche wurde von den Lehrern meiner Schule ignoriert.

Die Realität mancher Aktionen erfuhr ich erst bei einem Klassentreffen nach 30 Jahren von meinem damaligen Zeichenlehrer (später nannte sich es Kunsterziehung).

So gab es mal in der 6 Klasse im Zeichenunterricht einen Wettbewerb bei dem die besten Bilder in einer Schule in Frankreich ausgestellt und mit einer Urkunde prämiert wurden.

Das war natürlich auch für mich Außergewöhnlich, eine Urkunde aus Frankreich zu erhalten.

Was ich als Kind nicht wusste und was mich wahrscheinlich auch damals nicht interessiert hätte, diese Ausstellung war eine Privatinitiative.

Der besagte Lehrer hatte eine lange Brieffreundschaft mit einem französischen Lehrer des gleichen Faches. Die beiden Lehrer organisierten praktisch ohne jegliche staatliche Genehmigung den Austausch der Bilder und die Ausstellung im jeweils anderen Land.

Heute würde man das wohl Völkerfreundschaft oder Völkerverständigung nennen.

Damals war das aber fast schon Vaterlandsverrat, allein den versandt der gemalten Kinderbilder sah man schon als Weitergabe geheimer Dokumente an den Klassenfeind an.

Diese Aktion rief sofort die Stasi auf den Plan und brachte meinen Zeichenlehrer viel Ärger ein. Er hatte großes Glück da wieder heil rauszukommen.

Das sind aber alles Sachen, die man als Kind oder Jugendlicher überhaupt nicht mitbekam.


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